Austromarxismus

Der Austromarxismus ist eine von österreichischen Sozialdemokraten geprägte Richtung innerhalb des marxistischen Denkens, zu dessen führenden Vertretern Otto Bauer, Max Adler, Friedrich Adler, Rudolf Hilferding, Karl Renner und Gustav Eckstein zählten. Trotz einiger Unterschiede zwischen diesen Vertretern (z.B. zwischen dem „linken“ Bauer und dem „rechten“ Renner) gab es wesentliche Gemeinsamkeiten.

Dazu zählte zum einen der hohe Stellenwert von Bildung und Erziehung für die politische Arbeit. Durch Bewusstseinsbildung sollten „neue Menschen“ (Max Adler) geschaffen werden, um eine sozialistische Gesellschaft aufbauen zu können. Der Austromarxismus beschritt einen „dritten Weg“ zwischen dem Leninismus und dem sozialdemokratischen Revisionismus, der eine Überwindung des Kapitalismus durch soziale Reformen und nicht durch Revolution postulierte, und wollte dadurch die Spaltung in der Arbeiterbewegung überwinden („integraler Sozialismus“).

Weitere wesentliche Merkmale waren die Verpflichtung auf einen demokratischen und friedlichen Weg der Machteroberung (Otto Bauer: Nicht die Köpfe einschlagen, die Köpfe gewinnen!) und das grundsätzliche Bekenntnis zum Parlamentarismus, mit dessen Hilfe die die Arbeiterklasse an die Macht gelangen und schließlich den Sozialismus verwirklichen sollte. Aus heutiger Sicht ist auch bemerkenswert, dass der Austromarxismus den Versuch unternahm, die Lehren von Immanuel Kant und Karl Marx zu verbinden. (Von Alessandro Barberi)




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