Barbara Prammer

*11.1.1954 (Ottnang am Hausruck) - † 2.8. 2014 (Wien)
SPÖ-Frauenvorsitzende von 1997 bis 2009, Nationalratspräsidentin von 2006-2014.

 

Barbara Prammer (Parlamentsdirektion/Wilke)

Barbara Prammer wurde am 11. Jänner 1954 im oberösterreichischen Ottnang am Hausruck geboren und war vom 30. Oktober 2006 bis zu ihrem Tod am 2.August 2014 die Präsidentin des Nationalrats.

Von 1997 bis 1999 war Barbara Prammer Frauenministerin, 1997 wurde sie auf der Bundesfrauenkonferenz in Linz zur Vorsitzenden der SPÖ Frauen gewählt.

Vehement pochte Barbara Prammer auf die Umsetzung der 40-Prozent-Quote in der SPÖ. Das Frauen-Volksbegehren des Unabhängigen Frauenforums 1997 wurde von den SPÖ Frauen voll inhaltlich unterstützt. Eine der Kernforderungen, die verfassungsrechtliche Verankerung der Gleichstellung der Geschlechter, wurde im Frühjahr 1998 verwirklicht.

Im Kampf gegen Gewalt an Frauen war das Gewaltschutzgesetz 1997 ein wichtiger Meilenstein und wurde zum Vorbild für die Gesetzgebung in ganz Europa und sogar weltweit. 1998 wurde im Zuge der Anti-Gewalt-Kampagne die Frauenhelpline gegen Männergewalt eingerichtet, nach und nach wurden Interventionsstellen gegen Gewalt in der Familie in allen Bundesländern eingerichtet. Ein wichtiger Beitrag für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie war die sogenannte „Kindergartenmilliarde”. In zweieinhalb Jahren konnten 30.000 neue Kinderbetreuungsplätze geschaffen werden.


Barbara Prammer

Mit dem Beginn der schwarz-blau-orangen Regierung stand Barbara Prammer als Frauensprecherin der SPÖ Frauen im Parlament und als Bundesfrauenvorsitzende an der Spitze der SPÖ Frauen in Opposition. Im Juni 2004 wurde Barbara Prammer Zweite Nationalratspräsidentin.

Nachdem 2006 die SPÖ wieder zur stimmenstärksten Partei gewählt wurde, wurde Barbara Prammer zur Präsidentin des Nationalrats gewählt.



Barbara Prammer ist am 2. August 2014 an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstorben. Bei der offiziellen Trauerfeier vor dem Parlament nahmen unzählige Gäste Abschied von der Nationalratspräsidentin. Die RednerInnen würdigten insbesondere Prammers Engagement für die Demokratie, für Minderheiten und für Frauenrechte.

„Wir alle können stolz auf sie sein“, schloss Bundespräsident Heinz Fischer seine Abschiedsrede. „Wir danken dir, liebe, gute, tapfere Barbara.“ Fischer würdigte in Richtung Prammers Familie die verstorbene Nationalratspräsidentin als „beeindruckende Persönlichkeit unseres Landes“, die „als große Frau in die Geschichte eingehen wird“. Der Bundespräsident erinnerte auch an den „bewundernswerten und mit Recht bewunderten Weg“, wie Prammer mit ihrer Krebserkrankung umgegangen war, und dankte auch dem Behandlungsteam des AKH ebenso wie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dieser „starken, zarten, liebenswerten Frau“ beiseitegestanden waren.

„Republik verliert eine Leitfigur der Demokratie“

SPÖ-Vorsitzender, Bundeskanzler Werner Faymann strich in seiner Abschiedsrede Prammers Werthaltung hervor: „Demokratie, Menschenrechte und ein Miteinander waren ihre unumstößlichen Prinzipien. Sie war nicht nur eine Kämpferin für die Gleichstellung der Frauen, sondern sie setzte sich auch gegen Verhetzung, Rassismus und Antisemitismus ein. Durch ihren Tod verliert die Republik eine Leitfigur der Demokratie. Wir verlieren außerdem einen liebevollen und wertvollen Menschen.“ Weiters betonte der Kanzler, dass Prammers Weltbild immer von Gleichheit und Gerechtigkeit sowie von Offenheit und Toleranz geprägt war: „Ein demokratisches Gemeinwesen braucht Menschen mit Grundsätzen, wie sie eine war. Leidenschaft für das Gemeinsame, Menschen mit Sinn für das Machbare. All das zeichnete Barbara Prammer aus.“

Abschied von Barbara Prammer (Foto: SPÖ/Zinner)

Lebenslauf

Volksschule, Hauptschule, Handelsakademie Vöcklabruck 1968-1973, Studium der Soziologie an der Universität Linz (Mag. rer. soc. oec.) 1978-1986.

Tätigkeit am Gemeindeamt Ottnang am Hausruck 1973-1978, Sozial- und Berufspädagogin im Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) Linz 1986-1989, Frauenreferentin beim Arbeitsmarktservice Oberösterreich (vormals: Arbeitsmarktverwaltung) seit 1989, später karenziert.

Abgeordnete zum Oberösterreichischen Landtag 1991-1995;
Zweite Präsidentin des Oberösterreichischen Landtages 1991-1995;
Landesrätin der Oberösterreichischen Landesregierung 1995-1997;
Landesfrauenvorsitzende der SPÖ Oberösterreich seit 1990;
Landesparteivorsitzender-Stellvertreterin der SPÖ Oberösterreich seit 1991;
Stellvertretende Bundesparteivorsitzende der SPÖ seit 1995;
Bundesfrauenvorsitzende der SPÖ 1997-2009;

von 1997 bis 1999 Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Konsumentenschutz;
Abgeordnete zum Nationalrat seit 29.10.1999;
Stellvertretende Klubvorsitzende der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion 2000-2004;
Vizepräsidentin der "Socialist International Women";
Mitglied des Österreich-Konvent seit 10.5.2004;
Seit 30.10.2006 Erste Präsidentin des Nationalrates.





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