Otto Bauer - Kurzbiografie

Theoretiker des Austromarxismus, Stellvertretender Parteivorsitzender der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) von 1918 bis 1934.

Otto BauerAm 5. September 1881 wurde Otto Bauer in Wien als Sohn eines Textilfabrikanten geboren. Er studierte unter anderem Rechtswissenschaften und Geschichte an der Wiener Universität. Besonders von Victor Adler wurde Bauer, der bereits 1900 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei wurde, anerkannt und gefördert.

Einen guten Ruf erwarb er sich vor allem auch als Publizist. So veröffentlichte er als 26-Jähriger im Jahr 1907 ein mehrere hundert Seiten starkes Werk über „Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie“, das bis heute auf das Interesse der Fachwelt stößt. In dieser Zeit gründete er gemeinsam mit Karl Renner und Adolf Braun die Zeitschrift Der Kampf, die zum wesentlichen theoretischen Diskussionsforum der Sozialdemokratie wurde. Bauer geriet bereits 1914 in Kriegsgefangenschaft an der russischen Front und kam 1917 im Zuge eines Gefangenenaustauschs wieder frei. Nach der Rückkehr wurde er zu einem entschiedenen Gegner der Kriegspolitik und schloss sich der Parteilinken an. In der von Karl Renner geführten Koalitionsregierung agierte er als Staatssekretär für Äußeres.

Obwohl Otto Bauer nicht zum Parteichef ernannt wurde – er agierte zwischen 1918 und 1934 als Stellvertretender Parteivorsitzender – erschien er nach außen dennoch als der eigentliche Führer der Sozialdemokratie, deren programmatische Ausrichtung er wesentlich bestimmte. Zu seinen wichtigsten ideologischen Positionen zählte unter anderem die Idee eines „integralen Sozialismus“, die von einer Wiedervereinigung der in Kommunisten und Sozialdemokraten geteilten Arbeiterbewegung ausging. Manche seiner politischen Entscheidungen wie etwa der Gang in die Opposition im Jahr 1920 oder der Verzicht auf einen Generalstreik nach der Ausschaltung des Parlaments im März 1933 waren heftig umstritten. Nach seiner Flucht im Zuge des Bürgerkriegs 1934 nach Brünn, wo er das Auslandsbüro der österreichischen Sozialdemokratie (Alös) aufbaute, betätigte er sich weiterhin politisch im Exil. Er starb am 5. Juli 1938 in Paris.




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