Käthe Leichter

Pionierin der Frauenforschung, Kämpferin für Arbeiterinnen-Rechte

Käthe Leichter war eine der außergewöhnlichsten und begabtesten Frauen ihrer Zeit, die zu einer der Symbolfiguren der SPÖ und zum Leitbild der Frauenforschung, der ArbeiterInnenbewegung und des Widerstandes wurde.

Käthe Leichter

Am 20. August 1895 wird Käthe Leichter als Tochter des Rechtsanwaltes Josef Pick und seiner Frau Lotte in Wien geboren. Sie besucht das Beamten-Töchter-Lyzeum und schließt sich frühzeitig der radikalen, ,,bürgerlichen“ Jugendbewegung an, der es um die umfassende Befreiung des Menschen geht. Sie studiert Staatswissenschaften in Wien, wo sie jedoch als Frau von der Abschlussprüfung ausgeschlossen ist, sowie in Heidelberg, wo sie 1918 bei Max Weber promoviert. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wird sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatskommission für Sozialisierung in Wien sowie Konsulentin bei Finanzminister Josef Schumpeter und baut ab 1925 das Frauenreferat in der Arbeiterkammer auf. 1932 wird sie in der Wiener Arbeiterkammer als erste Frau in den Betriebsrat gewählt. Ihr Engagement galt einer besseren Lebenssituation für Frauen in der Gesellschaft, der Frauenbildung als Grundlage echter Chancengerechtigkeit und gegen die einseitige Betonung der Mutterschaft als weiblichen Lebenszweck.

Pionierarbeit in der Frauenforschung

Leichter leistet mit ihren zahlreichen Publikationen zur wirtschaftlichen und sozialen Rolle der Frauen wissenschaftliche Pionierarbeit, die richtungsweisend für viele Forscherinnen und politisch aktive Frauen nach ihr ist. Ihre sozialpolitischen Erhebungen, beispielsweise über die Lage der Hausgehilfinnen oder der Heim- und Industriearbeiterinnen, gehören zu den wichtigsten frauenrelevanten Publikationen der Zwischenkriegszeit. Die Themen und Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit sind „bahnbrechend“ für viele Verbesserungen in der Arbeitswelt. Ihr Einsatz gilt denjenigen, die unter schwersten Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienten: den Arbeiterinnen.

Käthe Leichter gilt als beliebte Vortragende, weil sie es versteht, komplizierte Sachverhalte allgemein verständlich und überzeugend darzulegen. Im Mittelpunkt ihrer politischen Aktivitäten steht auch die Auseinandersetzung mit dem Faschismus, wobei sie die abwartend-zögerliche Haltung der SDAP-Führung scharf kritisiert.

Arbeiterkammer-Ausweis von Käthe Leichter


Arbeit im Untergrund

Im Ständestaat arbeitet Leichter im Untergrund, 1936 übernimmt sie die Leitung des politischen Nachrichtendienstes der Revolutionären Sozialisten.
Nach dem Anschluss 1938 gelingt Otto Leichter die Flucht aus Österreich, doch Käthe Leichter wird daran gehindert. Als die Gestapo droht, ihre alte Mutter als "Geisel" zu nehmen, stellt sie sich der Polizei. Nach 18 Monaten Haft wird Käthe Leichter zu 7 Monaten Kerker verurteilt, aber nicht freigelassen, sondern ins Frauen-KZ Ravensbrück deportiert. In der Gefangenschaft wird ihr Doktorwürde von der Universität Heidelberg aberkannt. Die  Übernahme des Bescheids zur Aberkennung des Doktortitels muss Leichter im Konzentrationslager Ravensbrück unterschreiben Am 17.3.1942 wird Käthe Leichter im Zuge der NS-Euthanasie "Aktion 14f13" in der Psychiatrischen Anstalt Bernburg/Saale ermordet.

In ihrem letzten Brief an die Familie heißt es: Um mich keine Sorgen! Ich bin gut beieinander und meine Gedanken sind stets in tiefster, unwandelbarer Liebe bei meinen lieben drei Buben...

Käthe-Leichter-Preis für herausragende Leistungen von WissenschafterInnen

Um das Andenken an Käthe Leichter zu pflegen, wurde in der Amtszeit von Frauenministerin Johanna Dohnal der „Käthe-Leichter-Preis - Österreichischer Staatspreis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung“ ins Leben gerufen und 1992 erstmals vergeben.
Mehr Informationen über Käthe Leichter stehen u.a. auf der Website des Renner-Instituts und im Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie zur Verfügung.




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